Abschnitt 2 – Die Harmonik
1 – Klangverbindungen

Der einzelne Ton wurde erst durch das zwischen ihm und einem zweiten Tone entstehende Intervall musikalischen Zwecken dienstbar ge­macht; der Klang, eine Summe von Tönen, hat nicht eher musikalischen Sinn, bis durch das Auftreten einer zweiten harmonischen Ton­summe ein Raum zwischen beiden geschaffen wird. Die Überschreitung dieses Raumes, die Klangverbindung, ist der Beginn allen har­monischen Geschehens.

Dreierlei Energien sind bei Klangverbindungen wirksam: rhythmische, melodische und harmonische. Jede von ihnen wirkt nach zwei Rich­tungen. Der Rhythmus bestimmt die Zeitdauer der Klänge und gruppiert sie durch die Einteilung in betonte und unbetonte Bauteile zu Formen. Die Melodik tritt in der Stimmführung als Ordnerin der Längenausdehnung und in der übergeordneten Zweistimmigkeit als räumliche Höhenbegrenzung auf. In der Verlagerung des harmonischen Gewichts, dem harmonischen Gefälle und in der tonalen Bin­dung wirkt die harmonische Energie.

Den besonderen Eigenschaften der Melodik widmet sich ein eigener Abschnitt; trotzdem muss hier die Stimmführung angesprochen wer­den, damit ihr Wirken innerhalb von Harmonieverbindungen verständlich wird. Wir unterscheiden zwei Setzweisen von Musik. Bei der Polyphonie bestimmt die melodische Kraft Aussehen und Inhalt des Stückes; bei der Homophonie ist die Melodik von untergeordneter Bedeutung. Hier prägen Zusammenklänge und ihre Verbindungen das Satzbild der Komposition. Zwischen diesen beiden Setzweisen gibt es unzählige Arten des Ineinandergreifens melodischer und harmonischer Kräfte. Entscheidend für die Eingliederung eines Tonsatzes in eines der beiden Satzgebiete ist nicht so sehr das äußere Bild, vielmehr ist die Grundhaltung bedeutsam: der kontrapunktische Satz geht von Bewegungsvorstellungen aus, die Zusammenklänge treten als das Ergebnis des Linienspiels, also als Bindung der einzelnen Stimmen auf. Dagegen beginnt die homophone Setzweise mit Klangvorstellungen; durch Auflösung in bewegte Stimmen wird die ruhende Akkord­menge belebt.

2 – Übergeordnete Zweistimmigkeit

In beiden Setzweisen, in der kontrapunktischen wie in der homophonen, spielt sich das an die melodische Bewegung geknüpfte harmo­nische Geschehen innerhalb eines äußeren räumlichen Rahmens ab, eines Gerüstes, das den Klängen den benötigten Umriss aufprägt. Im Normalfall wird dieser Rahmen von dem Stimmenpaar Bass-Sopran gebildet. Soll ein mehrstimmiger Satz klar und verständlich klingen, so müssen die Außenlinien seiner übergeordneten Zweistimmigkeit sauber gesetzt und deutlich gegliedert sein.

Der Verlauf der übergeordneten Zweistimmigkeit ist gänzlich unabhängig von den übrigen zu den Klängen gehörenden Tönen, denn sie sind hier nur von bedingter Wichtigkeit. Der Weg im Raume, den die Klänge zurücklegen, wird nur im geringen Maße von den Fülltönen beein­flusst; es ist vielmehr die melodische Fortschreitung in Form der übergeordneten Zweistimmigkeit, welche den Verbindungen den Weg bahnt. In den harmonischen Beziehungen der Klänge und zumal in der Verlagerung des harmonischen Gewichts kommen dagegen die Füll­töne der Klänge zu voller Geltung.

3 – Harmonisches Gefälle

Ein fester Gegenstand, etwa ein Ziegelstein, kann durch Ziehen oder Schieben so von der Stelle bewegt werden, dass eine seiner Seiten in ständiger Berührung mit der Unterlage bleibt. Wir können ihn aber auch über seine Kanten, ja sogar über seine Ecken stürzen. Hier tritt zu der Ortsveränderung noch eine Drehung des Gegenstandes um sich selbst hinzu, welche mit einer Verlagerung des Schwerpunktes verbunden ist. Der Stein berührt den Boden nacheinander mit mehreren seiner Flächen. In den Harmoniefolgen entspricht der erst­genannten Bewegungsart die auf melodischen Wege vonstatten gehende Verbindung von Ton zu Ton, von Klang zu Klang. Die andere Art der Fortbewegung, das Kanten und Stürzen, hat ihr Gegenbild in der Verlagerung des harmonischen Gewichts, im harmonischen Gefälle.

Für die Bemaßung des harmonischen Gefälles wird die sich aus der Akkordbewertung ergebende Gruppenzugehörigkeit der Klänge heran­gezogen. Akkorde aus unterschiedlichen Abteilungen haben unterschiedlichen harmonischen Wert. Zunächst sind Klänge der Gruppe A harmonisch wertvoller als Klänge der Gruppe B. Die Rangfolge des harmonischen Wertes beginnt bei Klängen der Gruppe 1 und endet bei Klängen der Gruppe 4. Schließlich birgt auch die unterschiedliche Lage des Klanggrundtones eine Wertminderung. Klänge der Gruppe a sind wertvoller als Klänge der Gruppe b, welche selbst wieder wertvoller sind als Klänge der Gruppe c.

Zur Darstellung des harmonischen Gefälles bedarf es stets Klänge unterschiedlichen Wertes, mag dieser Wertunterschied auch nur sehr klein sein. Der Schritt von einem wertvolleren zu einem minderen Klang ist im harmonischen Sinne ein Abstieg, eine Verstärkung der harmonischen Spannung. Umgekehrt gilt der Schritt von einem minderen zu einem besseren Klang als Aufstieg oder Verminderung der harmonischen Spannung. Das Gefälle ist demnach nicht zu verwechseln mit jener harmonischen Wertgruppierung, welcher die Klänge erst durch den tonalen Zusammenschluss, beispielsweise einer Kadenz, unterliegen; allein der sich aus der unterschiedlichen Intervallstruktur der Klänge ergebende Wertunterschied mündet in einem harmonischen Gefälle. Bei der Verbindung von gleichwertigen Klängen findet kein harmonisches Gefälle statt.

4 – Grundtonschritte

Im harmonischen Gefälle erkennen wir, wie sich die klanglichen Massen von bestimmter Gestalt und Dichte zueinander verhalten. Für die Einschätzung von Klangfolgen und damit den Wert von Klangverbindungen, ist die Betrachtung des harmonischen Gefälles ungeeignet, da es keine Aussage über die Wegrichtung einer Verbindung trifft. Der Klangkörper wird durch das melodische Mittel der Stimmführung in gegenseitige Beziehung gesetzt, wobei auch der nebensächlichste Tonbestandteil ausgearbeitet werden muss. Für eine schnelle Ein­schätzung von Klangfolgen kann jedoch eine verkürzte Rechnung angewendet werden, die den Wert der Klangverbindung erkennen lässt und dessen Wegrichtung veranschaulicht. Wir bedienen uns hierbei der Klanggrundtöne.

Die elementarste Form der Klangverbindung ist die aus zwei nebeneinanderstehenden Klängen; die beiden Grundtöne haben, nachdem sie ihren Klängen entzogen wurden, keinerlei Beziehung mehr zur Klangmenge. Als Einzeltöne bilden sie ein Intervall und besitzen deshalb alle Eigenschaften der Intervalle. Die in Reihe 2 niedergelegte Wertabfolge der Intervalle, deren harmonische und melodische Kräfte sowie die Unterscheidung in Grundton und Ergänzungston prägen auch die Eigenschaften dieser Klangverbindungen.

Die alleinige Betrachtung der Grundtonschritte ist für eine umfassende Bewertung einer Klangverbindung ebenso unzureichend, wie die des harmonischen Gefälles oder der übergeordneten Zweistimmigkeit. Erst im Zusammenschluss sind sie ein verlässliches Maß für den Wert einer Akkordverbindung und ermöglichen eine treffsichere Aussage.

5 – Verbindung von Tritonusklängen

Die Eigenheit der Akkorde aus der Gruppe B ist der ihr allen gemeinsamer TT. Die ihm innewohnende Auflösungs­tendenz überträgt sich auch auf das Wesen dieser Klänge. Der einem Klang der Gruppe B nachfolgende Klang der Gruppe A wird immer als Auflösungsklang ver­standen. Um eine Kontrolle über Art und Wert dieser Klangverbindungen zu haben, reicht es daher nicht aus nur die Grundtonfortschreitung zu betrachten. Die Tritonusauflösung bedarf einer Er­weiterung der Be­trachtung durch das Einbeziehen der früher erwähnten Führung­stöne. Soll eine Auflösung befriedigen, muss sich der Führungston des ersten Klanges mit einem guten Intervallschritt in den Grundton des nachfolgenden Klanges führen lassen [1]. Die einfachsten Auflösungen ergeben sich, wenn diese Führung als Sekundschritt erfolgt oder wenn der Führungston mit dem Grundton des Auflösungsklanges identisch ist.

Folgen mehrere Klänge aus der Gruppe B aufeinander, so bleibt der TT nur scheinbar unaufgelöst [2]. Tatsächlich wird der TT des ersten Klanges aufgelöst, doch zur gleichen Zeit tritt an seine Stelle im folgenden Klang ein neuer TT, welcher dem Klang eine ähnliche, wenn auch anders gelagerte Spannung erteilt. Entscheidend für die Güte der Auflösung bleibt jedoch die Führung des Führungstons.

6 – Tonale Bindung

Harmonisch starke Intervalle klammern jede Folge von Tönen zu tonalen Gruppen, also auch eine Folge von Grundtönen. Hierbei ist der Grundton des stärksten Intervalls das tonale Zentrum der Gruppe; er ist seine Tonika. Hier offenbahrt sich die letzte Energie in Klangver­bindungen: die tonale Bindung.

Von Bedeutung für die Tonikabestimmung ist neben der Intervallbeziehung und der rhythmischen Stellung auch der Gefällwert der über den Grundtönen errichteten Klänge. Ein Klang aus der Gruppe A wird immer das Bestreben zeigen, gegen minderwertigere Klänge sich als tonales Zentrum durchzusetzen und dadurch manchmal in gelinden Widerspruch mit den Harmoniewerten der Grundtongruppen kommen. Das geschickte Ausspielen aller dieser Kräfte ergibt schon in kleinsten Umkreise reiche tonale Möglichkeiten.

Eine Klangverbindung, die über ihren Grundtönen Klänge aus der Gruppe A trägt, muss aus mindestens drei Gliedern bestehen, wenn sie eine tonale Einheit darstellen soll. Der Intervallgrundton zweier Grundtöne reicht für die Bestätigung des Zentraltones nicht aus; erst das Widerlager zweier anderer Töne, die Unterstützung von zwei Seiten stellt den Hauptton der tonalen Gruppe in den Mittelpunkt des Ge­schehens.

Die Klänge der Gruppe B verhalten sich anders als diejenigen der Gruppe A. Zur Erzeugung der tonalen Bindung bedarf es bei ihnen nicht des Zusammenwirkens mehrere Klänge, es tritt schon beim Erklingen eines einzigen von ihnen auf. Der TT, den sie enthalten, zwingt durch seinen Trieb nach Auflösung das Gehör zur Annahme eines ergänzenden Folgeklanges. Die beim Erklingen eines einzigen Tritonusklanges auftretende tonale Bindung genügt also wohl zur Feststellung des Vorhandenseins einer Tonalität, das tonale Zentrum ist jedoch noch nicht erkennbar. Folgt auf einen Akkord der Gruppe B ein solcher aus der Gruppe A, so ist der Grundton des zweiten der tonale Hauptton.

Durchgereichter Führungston…

7 – Die Kadenz

Kadenzen sind Klangverbindungen mit starker Schlusswirkung, in manchen Kompositionsstilen sogar ausgesprochene Schlussformeln, die sich zwar wie alle Klangfolgen aus rhythmischen, melodischen und harmonischen Elementen zusammensetzen, in denen aber das formale Bestreben, eine Entwicklung ganz oder teilweise zu beenden so stark ist, dass sich ihm alles unterordnet: Der Rhythmus beschränkt sich auf wenige, die Zeit klar und übersichtlich aufteilende Schläge, die melodischen Schritte gehen ohne Umwege auf ihr Ziel zu, die übergeordnete Zweistimmigkeit bedient sich einfachster Intervalle, das harmonische Gefälle zeigt in deutlicher Folge Schritte von schlechteren zu besse­ren, von gespannten zu gelösten Intervallen.

Auch zu einer Kadenz gehören mindestens drei Klänge aus der Gruppe A, oder nur aus zwei, wenn der erste Klang aus der Gruppe B, der zweite aus der Gruppe A stammt. Je nach der Teilnahme der einzelnen Energien, die nach nunmehr bekannter Weise festgestellt wird, ist der Wert einer Kadenz zu bemessen. Die Grundtonschritte geben auch hier ein verkleinertes Bild des Harmonieverlaufs, aber in Be­ziehungen zu tonalen Zentraltönen wirkt die Reihe 1 stärker ordnend, als die Reihe 2 in beziehungslosen Folgen für tonale Zentren.

Fussnote…

8 – Der Stufengang

Zusammenfassung…

9 – Die Modulation

Zusammenfassung…

10 – Melodische Floskeln

Gemäß der bisherigen Betrachtungsweise wurde jedes Hinzutreten und Wegfallen eines Tones bei Klängen als Schaffung eines neuen Klanges angesehen. Es gibt aber auch eine Anzahl unselbstständiger klanglicher Erscheinungen, die bei ihrem Auftreten die Klänge be­reichern, aber nicht wesentlich verändern. Es lassen sich unterscheiden: Wechselton, Durchgang, Vorhalt, Nebenton, ab- und an­springender Nebenton, Vorausnahme, un- und betonter Freiton.

Der Wechselton (W) entsteht, wenn ein Klangton für kurze Zeit seinen Platz verlässt, einen anderen Platz einnimmt und wieder in die Aus­gangsstellung zurückkehrt. In den meisten Fälle ist der neue Ton eine der Ober- oder Untersekunden, es können jedoch auch größere Inter­valle durchmessen werden. Bedingung ist, dass der fremde Ton rhythmisch eine ungünstigere Stellung einnimmt, also auf einem relativ unbetonteren Taktteil steht. Im Normalfall hat er höchstens den gleichen Zeitwert wie sein vorangehender Hauptton, ein längerer Wert würde seine Eigenart als W aufheben. WW können zugleich in mehreren Stimmen auftreten, es können auch zu gleicher Zeit WW ver­schiedener Richtung zusammentreffen. Auch ganze Wechselklänge gibt es. Sie verlassen ihren Hauptklang, bilden auf einer fremden Stufe einen neuen Klang und kehren zum Ausgangsklang zurück.

Der Durchgang (D) ist ein stufenweises Durchschreiten des Raumes zwischen zwei Klangtönen, kann aus einem oder mehreren Tönen be­stehen, muss wie der W einen schlechteren Zusammenklang ergeben als der Hauptklang, darf nur relativ geringen Zeitwert haben und muss an rhythmisch unwichtiger Stelle stehen. Auch DD können gleichzeitig in verschiedenen Stimmen – auch in Gegenbewegung erscheinen.

Der Vorhalt (¯V) bildet sich bei der Folge von zwei Intervallen oder Klängen, wenn ein Teil des ersten Klanges in den zweiten übergehalten wird, dort durch das Fortschreiten der anderen Klangteile angespannt und im Verlaufe des zweiten Klanges in einen besseren Klangbe­standteil aufgelöst wird. Die natürlichste Lösung der Spannung erfolgt im allgemeinen, indem der Vorhaltton eine M2 / b2 nach unten abgleitet. Die Auflösung nach oben ist, wenn sie durch eine b2 erfolgen kann, wegen der Leittonwirkung gut, der M2 nach oben lässt sich oft weniger leicht anbringen. Da beim ¯V die ihn tragenden Klänge den Rhythmus bestimmen, trifft die Auflösung bei der meistge­bräuchlichen Anordung auf eine relativ schlechtere Taktzeit als der Vorhalt selbst. ¯VV können zu gleicher Zeit in allen Stimmen liegen, in beliebiger Zahl auftreten und sich (auch nacheinander) in verschiedene Richtungen auflösen. Dabei wird jedoch immer nur einer aus der Gesamtzahl der zu gleicher Zeit erklingenden Vorhalte mit seiner Auflösung als das klangliche Hauptgeschehnis angesehen werden, der die schärfsten Intervallspannungen trägt. Vielfach wird die Lösung der Spannung auch erreicht, wenn statt des Tones, der durch den Sekund­schritt zu erreichen wäre, ein anderer guter Akkordton durch einen Sprung erreicht wird. Zwischen den ¯V und seiner Auflösung können be­liebig viele andere Töne treten, wenn sie rhythmisch und harmonisch so stehen, dass sie die Wirkung der nachfolgenden Auflösung nicht stören.

Der Nebenton (N) oder freier Vorhalt ist ein Ton, der auf relativ gutem Taktteil im Sekundabstand über oder unter einem höherwertigen Klangton steht und sich während des Klanges in diesen auflöst. Er ist also einesteils ein ¯V ohne Vor­bereitung, andernteils eine Art D, dem der eigentliche Ausgangspunkt fehlt. Durchgängig wirkt er besonders dann, wenn vor seinem eigenen Sekundschritt andere Sekundschritte liegen.

Abspringender Nebenton (N¯). Von einem liegenden Klang löst aus sich als letzter schlechter Teil seines Zeitwertes eine obere oder untere Sekunde eines Klangtones, die zum Klang in einem minderen Verhältnis steht als der verlassene Ton. Nach ihr beginnt die Herrschaft des nächsten Klanges. Der sich vom vorherigen ablösende Nebenton muss den ihm zugedachten Ton im zweiten Klang durch einen Sprung erreichen, daher sein Name. Macht er keinen Sprung, ist er nichts weiter als ein D.

Anspringender Nebenton (¯N). Ein Ton, der in Sekundabstand zu einem Tone des zweiten Klanges steht, aber noch während der Dauer des ersten erklingt, wodurch er sich vom N unterscheidet. Er muss vom ersten Klang aus durch einen Sprung erreicht werden. Gemeinsam mit dem N¯ ist dem ¯N die Stellung auf schlechtem Taktteil und der geringe Zeitwert. Der N¯ schliesst sich dem vorangehenden, der ¯N dem nachfolgenden Akkord durch einen Sekundschritt an. Der charakteristische Sprung verfolgt nach dem N¯, und vor dem ¯N.

Die Vorausnahme (V¯) ist das Gegenteil des ¯V. Einer oder mehrere Töne des folgenden Klanges werden zu früh gebracht, so dass sie schon als letzter Zeitwert des vorherigen auftreten.

Unbetonter Freiton (F). Ein Ton geringen rhythmischen Wertes auf schlechten Taktteil, der harmonisch zu keinem der beiden Klänge passt, zwischen denen er steht. In der Wirkung ist er dem N ähnlich, jedoch schärfer in seiner Spannung, da er sich nicht in sekundmäßige Abhängigkeit begibt, sondern jedes beliebige größere minderwertige Intervall benutzt.

Betonter Freiton (). Er steht auf betontem Taktteil und ähnelt dem N. Da er aber nicht wie dieser einen Sekundschritt zu seiner Auf­lösung macht, sondern einen beliebigen Klangton durch Sprung erreicht, übertrifft er ihn an Härte und löst nicht die Befriedigung einer sanften Entspannung aus.


[1] Diese Betrachtungsweise macht den Unterschied zum »Leitton« deutlich. Die Auflösung des Leittons beeinhaltet auch die Führung der Stimme, welche den Leitton trägt. Wird beispielsweise die leittönige Terz eines Dominantseptakkordes nicht in den Grundton des folgenden Klanges geführt, gilt die Auflösung als unbefriedigend. Bei der Auflösung des Führungstones wird jedoch nur der Intervallschritt zum Grundton des Auflösungakkordes betrachtet; die tatsächliche Führung der Stimme, ist dabei unerherblich.
[2] Auch diese Auffassung widerspricht den Ausführungen Hindemiths. Er geht davon aus, dass der Tritonus in einer Abfolge von Klängen der Gruppe B unaufgelöst bleibe, bis schließlich ein Klang der Gruppe A eintritt. Der Führungston des Tritonus im ersten Klang gehe zum Führungston des zweiten, usf. bis letztendlich der Auflösung des TT auf die vorher beschriebene Art erfolgt.

Fehlerhinweise, Kommentare und Anregungen sind mir herzlich willkommen.

Letzte Aktualisierung: 2012-08-15